Samstag, 13. Juni 2009

Samstag, 13.06.2009

Heute haben wir (Freundin N. und ich) lange geschlafen und sind dann um 12 Uhr gemeinsam mit K. aufgebrochen gen Peterhof. Wir sind mit der Metro bis zum baltischen Bahnhof gefahren. Erstes Staunen: man darf dort keine Fotos machen. Alle, die es interessiert, müssen her kommen oder sich auf Schilderungen verlassen!
Am Bahnhof mussten wir uns Tickets kaufen. Das Staunen war groß. Es gibt keine Automaten, ausschließlich Schalter. Also stellten wir uns in einer der langen Schlangen an. Ganz Petersburg wollte eine Landpartie machen.
Wir fuhren mit dem Zug bis Peterhof, dann mit dem Bus und dann waren wir da. Sommer, Sonne, Sonnenschein und eine gigantische Schloss- und Parkanlage. Könnte es besser sein? (Ja, ohne die Menschenmassen)

Der Bahnhof in Peterhof.
Wir schlenderten durch den Park und staunten ob der dargebotenen Opulenz. Es ist riesig, überall ist Gold, es gibt unheimlich viele Wasserspiele und Fontänen, viele Häuser, Chalets und Pavillons. Wir warfen Münzen in eine Fontäne und wünschten uns etwas. Wir machten Fotos vor Brunnen und sahen eine kleine Parade einer Kapelle, die Marschmusik spielte. Leider sind auf allen Fotos auch noch unzählige Menschen...

Die große Kaskade.

Da es so warm war, zogen sich viele Männer einfach die Hemden aus. Und: manche Bäuche will man nicht sehen! Die Frauen zogen sich die T-Shirts hoch.

Wir gingen am Meer entlang und der ganze Park, die Wasserspiele und die Menschen, das alles erinnerte mich an die Mary Poppins Verfilmung von Disney, als die Kinder in die Bilder hüpfen. Und es erinnerte mich an die Bilder von Renoir, auf denen er Gesellschaften beim Rudern, Picknicken und Feiern in Parks malte. Wirklich grandios.

Am Meer.

Nicht Mensch, nicht Fisch.



Die Rückfahrt wollten wir mit dem Boot bestreiten. Leider hatten zu viele andere auch diese Idee, also nahmen wir einen Minibus. Das war eng und warm und stickig und hat ewig gedauert, hatte aber den Vorteil, dass wir so auch die eher hässlichen Vororte St. Petersburg gesehen haben. Und das Anwesen von Putin.
Diese Vororte scheinen nur aus Plattenbauten zu bestehen. Trist.

Trister Vorort.

St. Petersburg ist eine normale Stadt

Zum Einen wurde in meinem Umfeld vor Abreise gesagt, dass St. Petersburg schmutzig sei. Stimmt nicht. Hier ist es sauber. Die Menschen benutzen exzessiv die Mülleimer, die überall aufgestellt sind, deshalb brennen sie manchmal, wenn jemand seine brennende Zigarette hineingeworfen hat.
Sogar als hier eine karneval-ähnliche Veranstaltung war mit viel, viel Alkohol und die Menschen über den für Autos gesperrten Nevsky torkelten, stellten sie ihre leeren Bierflaschen neben die überfüllten Mülleimer. Es gibt kaum Müll, der rumliegt. Es gibt fast keine Graffitis.

Zum Anderen wurde mir gesagt, es gebe viele "Penner". Stimmt bedingt. Es gibt immer wieder Obdachlose, denen es sehr schlecht geht, aber man wird nicht angebettelt und es gibt meiner Erfahrung nach in Berlin mehr Obdachlose als hier.

Auch wurde gesagt, dass es hier sehr gefährlich sei. Stimmt nicht. Während ich hier bin, sind in München zwei Bekannten die Handtaschen geklaut worden. Hier ist keinem meiner Bekannten etwas gestohlen worden. Natürlich sollte man Acht geben, wie in jeder Großstadt. Und die Rate der Kapitalverbrechen ist hier sogar relativ gering.

Die oft erwähnte Schere zwischen arm und reich kann ich nicht beurteilen. Man sieht sehr viele teuere Dinge, Prestigesymbole und auf der anderen Seite viele alte Menschen, die Tinnef und Blumen verkaufen, um ihre kaum vorhandene Rente aufzubessern. Um das beurteilen zu können, darf man nicht nur nach Beobachtungen gehen.

Schon 3 Wochen rum...

... das ging mal wieder sehr, sehr schnell. Fast die Hälfte ist vorbei und ich finde es wirklich großartig hier. Natürlich liegt das nicht nur an der Stadt sondern auch an den netten Kollegen, den lieben Bekannten, die ich hier kennengelernt habe, und dem Besuch aus Deutschland.
Ich kann mich auch mittlerweile so einigermaßen verständigen im Produkti oder Restaurant.
Auch fallen mir immer wieder Dinge ein und auf, die ich aufschreiben muss in meinem tollen Reisetagebuch von Moleskine (Danke, A.!) und dann hier wiedergebe.
Wie schon bei den letzten samstäglichen Betrachtungen der jeweils vergangenen Woche muss ich auch dieses Mal sagen, alles super!

Das Risiko eingehend mich zu wiederholen muss ich sagen, dass ich glaube, dass es zu dieser Jahreszeit keine Stadt gibt, die es mehr wert ist, besucht zu werden, die angenehmer und schöner ist als St. Petersburg.

Freitag, 12. Juni 2009

Impressionen III

Heute war das Wetter durchwachsen. Regen, Sonne, Regen, Sonne... Aber so ist es hier. Letztlich war es relativ warm. Wir waren bummeln und haben lauter schöne Mädchensachen gekauft (Ketten und Haarreifen etc.). Prinzipiell sind hier aber alle Kleidungsgeschäfte, die es auch in Deutschland gibt, teurer.
Dennoch musste ich bei Zara zugreifen: Der fast perfekte Mini-Rock (suche ich seit beinahe einem Jahr.).
Wir haben in einem Restaurant zu Mittag gegessen, das eigentlich eine Fast-Food-Kette ist, aber durch schönes Porzellan und richtiges Besteck unterscheidet es sich von einem ordinären McDonald's. Es gab gefüllte Pfannekuchen, süß und salzig.
Als es anfing zu regnen, haben wir bei meiner Lieblingskonditorei Cappuccino getrunken.



An der Isaakskathedrale vorbei sind wir zu den beiden großen Einkaufszentren am Sennaya Plochad gegangen. Dort gibt es auch einen Supermarkt, fast so, wie es sie in Deutschland gibt.
Als wir wieder in meinem Apartement waren, waren wir kaputt. Mehr Programm gab es dann auch nicht mehr. Dafür aber morgen und übermorgen...



Tipp: diese Getränk (im Bild oben) nicht trinken!

Freitag, 12.06.2009

Gestern war es echt toll. Und heute kann ich mal wieder Bilder zeigen!
Am Morgen ist meine liebe Freundin N. angekommen. Da ich aber arbeiten musste, haben wir uns nicht gesehen. Der Flug von München über Moskau war auch relativ aufregend, vor allem das schnelle Umsteigen an diesem. Aber natürlich ist sie letztlich gut in meinem Apartment angekommen, hat einen zweiten Schlüssel bekommen und konnte noch ein wenig entspannen. Ich konnte glücklicherweise zeitig aus dem Büro und das Wetter war grandios gut gestern ab Mittag. Wir bummelten durch die Stadt, für sie auch ziemlich aufregend. Wie exotisch die kyrillischen Schriftzeichen überall sind. Gegessen haben wir bei Stolle, leckere süße Piroggen. Ich konnte dort auf russisch bestellen. Zwar nicht perfekt, aber ich habe es versucht.
Wir liefen an der Fontanke entlang zurück und mussten uns dann auch schon schick machen für das Konzert. Wir holten K. ab und der Weg war mit unseren hohen Schuhen ein wenig beschwerlich, weil lang. So gut ist das Metro-System dann doch nicht ausgebaut, als dass man gut zur Konzerthalle fahren könnte. Diese ist ganz neu, ein bisschen wie ein Colosseum. Die Bühne unten und die Zuschauerplätze auf allen Seiten darum herum erhöht. Alles ist aus hellen, kleinen, uneben angebrachten Holzblöckchen, was an eine Felsenlandschaft erinnert.
Das Konzert (Berliner Philharmoniker, Octett) war ganz großartig, die Akustik auch und es gab nach einer kurzen Rede des ersten Geigers eine schöne Zugabe.


Hier die Mariinsky-Konzerthalle:


Sehr gelungen. Danach waren wir lecker essen und dann im Studentenwohnheim, wo wir nach kurzer Überredung des Sicherheitspersonals doch nach 23 Uhr noch hinein durften. Um 01:30 schauten wir die Brücke hinter der Eremitage an, die dann hochging. Es war nicht ganz dunkel und immer noch warm. Fast mediterran.
Man sagt, dass New York die Stadt ist, die niemals schläft. Ich kann mir nicht vorstellen, dass New York weniger schläft als St. Petersburg (zumindest im Sommer). Hier ist immer was los.

Die Kasaner Kathedrale bei Nacht.



Mal wieder die Peter-Paul-Festung bei Nacht.



Bogen vor dem Schlossplatz.



Der Schlossplatz.

Mittwoch, 10. Juni 2009

Mittwoch, 10.06.2009

Es regnet. Gut, dass hier die Regenrinnen alle 10 Meter von den Häusern weg direkt auf den Bürgersteig geleitet werden, so fühlt man sich wie im Trekkingurlaub.
Als ich aus der Metro kam, sah ich vor dem großen Kaufhaus am Nevsky, dem Gostiny Dvor, mehrere ältere Menschen mit großen Plakaten und roten Fahnen. Ich konnte nur den Namen Stalin entziffern, der groß und rot war. Aber was wollten die? Das war doch nicht ernsthaft eine Mini-Demonstration für Stalin und Forderung nach damaligen Verhältnissen!? Manchmal scheint mir das russische Volk von Widersprüchen geprägt zu sein.
Könnte ich nur besser Russisch!

Dienstag, 9. Juni 2009

Dienstag, 09.06.2009

Am Freitag ist Feiertag. Laut Reiseführer und auch Auskunft meiner russischen Kollegen handelt es sich um den Unabhängigkeitstag. Meine Kollegen wussten nicht, wovon Russland unabhängig wurde an diesem Tag vor x Jahren. Ich habe recherchiert: Auf Wikipedia steht, dass dieser Feiertag "fälschlicherweise" als Unabhängigkeitstag bezeichnet wird. Aber am 12. Juni 1990 erklärte sich Russland unabhängig und genau ein Jahr später fanden die ersten Präsidentschaftswahlen statt.
Dennoch haben die Läden geöffnet. Wie könnte aus auch anders sein. Immer sind die Läden geöffnet, auch sonntags auch bis spät abends.

Montag, 8. Juni 2009

Montag, 08.06.2009

Mann, Mann, Mann. Da sind doch an diesem Wochenende tatsächlich zwei Damen aus meinem Umfeld in München ihre Handtaschen gestohlen worden. München wird immer gefährlicher. Hoffe aber, dass das nicht bedeutet, dass man zwangsläufig in St. Petersburg Opfer von Taschendieben wird. (Daumen drücken)
Heute habe ich den einen deutschen Kollegen kennen gelernt, den es noch bei uns im Büro gibt. Er ist auch schwer begeistert von der Stadt und hat von kleinen Abenteuern erzählt, die man hier erleben kann.
Und: bei der deutschen Telekom gibt es sowas wie eine Kontinentalsperre. Deshalb konnten meine Eltern mich hier nicht erreichen. Haben wir wieder was gelernt.

Noch etwas: Im Zuge meiner Vorbereitungen auf den Aufenthalt hier habe ich auch die passende Literatur herangezogen und gestern bin ich mit "Erniedrigte und Beleidigte" von Dostojewski fertig geworden. Ein sehr gutes Buch. Und es ist interessant zu lesen, dass die Protagonisten zum Beispiel bei Jelissejew ihren Wein einkaufen. Dieser Feinkosthandel liegt prominent am Nevsky, aber im Moment wird leider dieses schöne Jugendstilhaus renoviert. Vielleicht wird es fertig, bevor ich abreise...
Und als nächstes kommt jetzt "Die Hauptmannstochter" von Pus(c)hkin dran.

Sonntag, 7. Juni 2009

Sonntag, 07.06.2009

Kinder, die Zeit vergeht zu schnell! Eindeutig. Heute haben K. und ich die Tickets fürs Konzert und Ballett gekauft. Dazu brauchte ich Geld, und siehe da, sogar die Banken haben am Sonntag geöffnet. Den ganzen Tag! Es lebe der Kapitalismus.
Auf die Besuche im Marinskij Theater freue mich schon sehr. In der kommenden Woche steht erstmal ein Konzert der Berliner Philharmoniker an. Dort werde ich mit K. und einer lieben Freundin hingehen, die mich für ein Tage besuchen kommt. Danach werde ich mit meinem Freund und K. am 20.06. am Samstagvormittag in die Matinee gehen. Da tanzen die Absolventen der Ballettakademie aus verschiedenen Balletts. Und wenn meine Schwester zu Besuch kommt, werden wir uns "The Little Humpbacked Horse" anschauen. Bin sehr gespannt, wie das wird. (Und: gutes Kulturprogramm, oder!?)

Heute ist mir aufgefallen, dass es sehr viele Leute mit Goldzähnen gibt. Warum?

Wie gut, dass die Läden geöffnet sind. Heute Abend gibt es Vollkornbrot mit Käse, ich freu mich!

















In Europa wird gewählt. Ich habe es versäumt, die Briefwahl zu beantragen, weil die Unterlagen sehr kurzfristig vor meiner Abreise ankamen. Obwohl in den Medien berichtet wird, dass die Wahlbeteiligung so gering ist, sind alle Bekannten heute wählen gegangen. An "uns" liegt das nicht (abgesehen von mir).